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Kunst ist für sie wie Schmetterlinge im Bauch

Als Kind war sie schüchtern, heute leitet die Zürcher ArtNight Künstlerin Christina Klein (57) in lokalen Bars und Restaurant bis zu 25 Gäste an. Sie liebt es, Kreativität mit anderen zu teilen. Inspiration findet sie jedoch in der Stille – dort harrt sie aus, bis sie die Muse wieder küsst.

Von Saskia Iten

Christina, Kunst hat deinen Werdegang geprägt. Seit wann malst du?
Schon als schüchternes Kind malte ich immer sehr gerne – das war für mich die perfekte Freizeitbeschäftigung! In der Schule schrieb ich gute Noten, meine Eltern rieten mir deswegen: ‘Kunst ist nicht wichtig, Künstlerin kein Beruf. Lerne lieber etwas Richtiges!’. So bin ich dann halt im Büro gelandet.

Wie ging es nach der Ausbildung weiter?
Nach der Lehre nahm ich nochmals einen Anlauf und absolvierte die Aufnahmeprüfung an der Kunstgewerbeschule; leider klappte das nicht. Danach war ich so frustriert, dass ich meine künstlerische Ader jahrelang nicht mehr nutzte. Rückwirkend finde ich es schade, dass ich mich durch diesen Rückschlag entmutigen liess. Später habe ich glücklicherweise erkannt, wie sehr mir der kreative Ausgleich fehlt – und habe mich an privaten Schulen im künstlerischen Bereich weitergebildet.

Du bist seit September 2019 als ArtNight Künstlerin tätig. Was bedeutet das für dich?
ArtNight Künstlerin zu sein macht mir wahnsinnig Spass! Als ich neu gestartet bin, hatte ich grosse Mühe, vor viele Leute zu stehen. Heute macht mir das nichts mehr aus. Im Gegenteil: wenn ich die glücklichen Gesichter nach einer ArtNight sehe und begeisterte Rückmeldungen erhalte, bin ich erfüllt vor Freude.

In welcher Stadt bist du tätig und was macht diese Stadt für dich aus?
Ich bin in Zürich unterwegs – einer Stadt, die einfach alles hat. Kultur, Grünflächen, «Zürisee»: pure Lebensqualität!

Was motiviert dich, Menschen kreativ zu unterhalten?
Ich will Farbe ins Leben meiner Gäste bringen. Ob geübte Künstler oder Malanfänger, Männer, Frauen, Junge oder Alte: an meinen ArtNights male ich mit unterschiedlichsten Charakteren.

Wie reagieren Leute, wenn sie seit langer Zeit wieder einmal mit Pinseln und Farben kreativ werden?
Das ist ganz unterschiedlich. Manche malen wild drauflos, ohne Angst, etwas falsch zu machen. Andere haben Respekt, sind eher zögerlich. Mein ArtNight Lieblingsmotiv «Abstrakt Neon» finde ich diesbezüglich ganz toll! Sobald die Gäste die Grundtechniken kennen, haben sie künstlerischen Freiraum und können jegliche Blockaden aus dem Weg räumen.

Was macht dich als Künstlerin besonders?
Meine Begeisterungsfähigkeit. Ich denke, dass ich Leute inspirieren und ihnen meine Freude vermitteln kann. Obwohl ich liebend gerne in meinem Atelier male, habe ich gemerkt, dass mir Kreativität in guter Gesellschaft noch mehr Freude bereitet.

Was machst du, wenn du nicht im Atelier anzutreffen bist?
Dann bin ich mit meinem Partner oder mit Freunden unterwegs. Wir sind kulturell interessiert, gehen ins Kino, Theater oder Restaurant. Als Künstlerin brauche ich auch immer wieder Zeit um nichts zu tun, meinen Gedanken nachzuhängen und zu warten, bis mich die Muse wieder küsst (lacht).

Dein Lieblingszitat?
Mir bedeutet das Zitat «Man ist nie zu alt, um etwas Neues zu lernen» sehr viel. Ja, auch ich bin schon in einem gewissen Alter. Trotzdem probiere ich immer wieder Neues aus, starte Projekte und folge meinen Träumen. Wenn ich anderen davon erzähle, werde ich oft ungläubig gefragt: ‘Bist du nicht zu alt dafür?’. Meine Antwort lautet dann immer: ‘Ich bin nie zu alt!’. Mit dieser Einstellung will ich nachkommenden Generationen ein Vorbild sein. 


«Man ist nie zu alt, um etwas Neues zu lernen»


Gibt es ein Ereignis, dass dich in deiner künstlerischen Karriere besonders geprägt hat?
Im Jahr 2017 habe ich an einem Sommerworkshop teilgenommen – mitten in Südfrankreich, unter Anleitung einer deutschen Künstlerin. An diesem wunderbaren Ort haben wir mit verschiedenen Techniken und Materialien experimentiert, alles sehr abstrakt. Da habe ich für mich erkannt: das will ich auch! Seither träume ich davon, intuitive Malreisen anzuleiten.

Hast du ein Vorbild, in dessen Haut du für einen Tag gerne schlüpfen würdest?
Da gibt es einige! Beispielsweise Damien Hirst: ein sehr kreativer Kopf. Streetart Künstler Banksy finde ich ebenfalls inspirierend. Dann gibt es noch Georgia O’Keeffe… und Frida Kahlo! Seit ich 20 Jahre alt bin, lese ich alles über sie. Ihre Tagebücher sind wunderschön.

Auf welches deiner Kunstwerke bist du besonders stolz?
Auf meinen Schmetterling. Mit diesem Sujet habe ich sogar schon eine kleine Ausstellung gemacht und einige Kunstwerke verkauft. Eines hängt jetzt in Moskau, ein anderes in Apulien.

Was bedeutet der Schmetterling für dich?
Als ich damit begann, Schmetterlinge zu malen, befand ich mich in einer Zeit der Metamorphose.  Ein Schmetterling steht für Veränderung – er will aus seinem Kokon ausbrechen, die Flügel ausbreiten und losfliegen. Genau das habe ich mit meiner Kunst gemacht.


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