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«Ich möchte stets den Kern des Menschen berühren»

Die Zuger ArtNight-Künstlerin Andrea Roder (45) plant ihre Kunstwerke nie im Voraus, sondern lässt sich von ihren Gefühlen und der Intuition leiten. Kreativ zu sein bedeute für sie, das innere Kind wiederzubeleben und zu jener Spontanität zurückzukehren, welche im Verlauf des Erwachsenwerdens zu oft verloren geht. Andrea nutzt die Kunst, um positive sowie negative Gedanken und Gefühle anderer Menschen zu wecken und an die Oberfläche zu befördern.

Andrea, die Kunst begleitet dich täglich. Seit wann malst du?
Eigentlich schon immer. Eine meiner ehemaligen Primarschulkolleginnen hat mir gerade letzthin wieder gesagt: «Ich erinnere mich genau daran, wie du schon in der ersten Klasse Pferde auf deine Blätter gezeichnet und auch sonst immer alles vollgemalt hast.» Ich habe wirklich alles mit Zeichnungen verziert (lacht). Zu meinem Beruf habe ich das Malen allerdings erst vor drei Jahren gemacht: ich habe mein eigenes Atelier eröffnet.

Wo hast du vor der Eröffnung deines eigenen Ateliers gearbeitet?
Ich habe ganz viele Aus- und Weiterbildungen in den unterschiedlichsten Bereichen gemacht. Ich wollte nie nur auf einer Karriereleiter möglichst weit nach oben, sondern in die Breite. Von Tier über den Menschen zum Baby bis zum alten Menschen – von der Stilberatung bis zur Sterbebegleitung – ich habe wirklich vieles gemacht. Was sich durch all diese verschiedenen Berufe durchzieht ist, dass sie alle in die Tiefe gehen und nicht spurlos an einem vorbeigehen. Und ich hatte immer mit Menschen zu tun. Ich möchte stets den Kern des Menschen berühren.  

Ist dies auch, was dich als Künstlerin ausmacht?
Ja, ich denke schon. Kunst geht immer in die Tiefe und berührt – manchmal vielleicht sogar auf eine fast schon provokative Art. Die Kunst soll etwas machen mit dem Menschen. Was mich von anderen Künstlern zudem unterscheidet ist, dass ich vor Beginn eines Projekts nie einen Plan habe – das Werk entsteht einfach. Ich bringe zum Ausdruck, was spürbar ist.

Du bist im November letzten Jahres als Künstlerin bei ArtNight eingestiegen. Was gefällt dir an dieser Tätigkeit am meisten?
Dass man die Abende mit unterschiedlichsten Menschen verbringt: von jung bis alt. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen, die er/sie an die ArtNight mitbringt. Alle so zu erfassen, wie sie sind und möglichst das mitzugeben, was sie sich erhofft haben, ist einfach mega lässig! Da Kunst für mich sonst ein eher einsames Schaffen ist, schätze ich das Miteinander – den Austausch – sehr.

Gibt es ein ArtNight-Erlebnis, welches du so schnell nicht vergessen wirst?
Eine meiner ersten ArtNights, welche ich auswärts von Zug gegeben habe. Ich wusste nicht, dass die Gruppe auf Englisch angeleitet werden sollte, bis ich die Gruppe in Basel begrüsst habe. Mein Englisch ist nicht so gut, aber ich glaube genau deshalb war das Erlebnis für alle besonders lustig – ich habe viel mit Pantomimen gemacht. Ich bin sehr dankbar, dass ich nicht von vorneherein gewusst habe, dass die ArtNight auf Englisch sein wird, denn dann hätte ich sie gar nicht erst angenommen oder wäre wahnsinnig nervös gewesen. So habe ich mir einfach ein Glas Wein bestellt und losgelegt (lacht). Es war wirklich super lustig.

Was motiviert dich, die Kreativität in anderen Menschen zu wecken?
Kreativ zu sein ist etwas vom Erfüllendsten. Jeder Mensch kann kreativ sein – wir alle haben bereits als Kind gemalt. Man kommt schon kreativ auf die Welt. Wenn wir also als Erwachsene den Pinsel in die Hand nehmen, können wir wieder einmal Kind sein.


Wenn wir als Erwachsene den Pinsel zur Hand nehmen, können wir wieder einmal Kind sein.


Dein Spitzname ist Farfalla – was bedeutet der Name für dich?
Metamorphose: ein Prozess, ein Werden. Bei meinen Werken übermale ich oft mehrmals das bereits gemalte, etwas stirbt und Neues entsteht. Zudem hat das Wort einen schönen Klang und ich verbinde den Schmetterling mit meiner Kindheit, da ich ihn damals oft gemalt habe.

Hast du ein Lieblingszitat, welches dich in deinem Alltag begleitet?
«Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe» Ein Zitat von Pippi Langstrumpf. Ich mache so vieles, was ich vorher noch nie gemacht habe und behalte dabei stets das Vertrauen, dass es klappt. Mein Motto ist: «Ich muss es auch falsch machen dürfen, sonst weiss ich nicht, was richtig ist».

Du scheinst eine sehr optimistische Person zu sein. Woher kommt das?
Ich finde es wichtig, auch Schattenseiten zu zeigen. Es ist nicht immer alles im Licht und voller Liebe. Ich habe einfach ein riesiges Gottvertrauen – ich kann nichts dafür, es wurde mir mitgegeben. Ich hatte das Glück so aufzuwachsen, meine Eltern haben mich immer unterstützt. Ich bin ihnen sehr dankbar dafür, da sie meinen Optimismus dadurch gestärkt haben.

Auf welches Kunstwerk bist du besonders stolz?
Immer auf dasjenige, an welchem ich gerade am Arbeiten bin. Im Moment arbeite ich an einem 26 Quadratmeter grossen Wandbild. Trotz der Grösse habe ich auch hier keine Bildeinteilung gemacht, sondern einfach losgelegt. Wenn ich mich vor die Wand stelle und Trommelmusik laufen lasse, entstehen die Bilder automatisch vor meinem inneren Auge.

Gibt es ein Ereignis oder eine Begegnung, welche dich als Künstlerin besonders berührt hat?
Ich schätze alle Rückmeldungen, die ich erhalte. Wenn mir jemand sagt, dass er/sie tief berührt ist und ihm/ihr dabei manchmal sogar Tränen in die Augen steigen. Ein lustiges Erlebnis, das mir einfällt, war, als ich einer Kollegin ein Bild von mir gezeigt habe und sie meinte: «Es ist so berührend, ich rieche es sogar!». Sie hat mir dann beschrieben, wie es für sie riecht. In diesem Moment hat sie mehr von meinem Kunstwerk erfasst als ich selbst…


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